Mobilfunkunternehmen müssen jetzt konvergente Datendienste für Geschäftskunden entwickeln, sonst geht die Marktentwicklung an ihnen vorüber. Der Versuch, solche Datendienste über das gleiche Geschäftsmodell wie die Sprachdienste zu vermarkten, wird scheitern. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der aktuellen Trend-Studie "Burning Up the Phone Wires - Our Industry Perspectives 2003-2006" von IBM Business Consulting Services (BCS).
Auf der ganzen Welt kämpfen die Anbieter von mobilen Telekommunikationsdiensten darum, an den Erfolg vergangener Zeiten anzuknüpfen. Die ursprünglichen UMTS-Geschäftspläne im Privatkundensegment haben sich als längst zerplatzte Seifenblase erwiesen.
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Mobilfunkunternehmen müssen sich stärker auf das Geschäftskundensegment fokussieren, jedoch haben sie im Vergleich zu den Festnetzunternehmen hier noch eine relativ schwache Position. Diese bieten vielfältige Services für Kommunikation und Datenaustausch an - die Mobilfunkunternehmen hingegen stehen bei den Datendiensten noch am Anfang. Das Geschäftskundensegment wird jedoch die Quelle für erste, signifikante Umsätze werden. Noch beträgt der Anteil der Ausgaben im mobilen Bereich nur fünf Prozent der Gesamtausgaben für Kommunikationslösungen der Unternehmen.
"Dieser Anteil könnte stark ansteigen, wenn es den Mobilfunkunternehmen gelingt, unterschiedliche Netzzugangstechnologien und netzunabhängige konvergente Datendienste einzuführen, die dem Geschäftskunden wirkliche Produktivitätsvorteile bieten. Der universelle Zugriff auf unternehmenskritische Anwendungen und Daten, immer und überall, stellt einen echten Mehrwert für Geschäftskunden dar. Das Angebot solcher Dienste wird die Mobilfunkunternehmen zurück auf die Erfolgsspur führen", sagt Wilhelm Dresselhaus, Leiter des Bereichs Communications bei IBM Business Consulting Services.
Spätestens im Jahr 2006 erwartet der Kunde ein konvergentes Angebot für all seine Telekommunikationsbedürfnisse, heißt es in der BCS Studie. Ob zu Hause, im Büro, im Taxi oder im Flugzeug - wenn es darum geht, Daten auszutauschen, E-Mails abzurufen oder sich über die aktuellen Lagerbestände zu informieren, fordert der Anwender eine nahtlose Integration der unterschiedlichen Netz-Plattformen und Dienste. Der Kunde will dabei jederzeit Zugriff auf die gewünschten Informationen haben, unabhängig vom Endgerät und so günstig, einfach und sicher wie möglich - alles natürlich aus einer Hand.
Die Bindung an bestimmte Endgeräte und Netze wird zurückgehen. Daher sollten Mobilfunkunternehmen frühzeitig auch die Möglichkeiten der lizenzfreien Funknetztechnik, wie z. B. Wireless LAN (kabellose lokale Netzwerke), in ihre Strategien miteinbeziehen. Damit eröffnet sich die Chance, die Nutzungsprofile und -gewohnheiten der Kunden kennen zu lernen, Kundenbindung aufzubauen und die Preisgestaltung für zukünftige UMTS-Dienste zu testen.
Bis 2006 werden die Grenzen zwischen den Netzen verschwimmen. Die Position im Wettbewerb wird durch die Fähigkeit bestimmt, diese Kundenforderung zu erfüllen. Die Marktforscher von IBM gehen bei der derzeitigen Positionierung der Mobilfunkunternehmen jedoch davon aus, dass etwa 60 Prozent des Geschäfts mit der Implementierung von mobilen Datenlösungen von IT-Dienstleistern realisiert wird, nur etwa zehn Prozent von Mobilfunkunternehmen.
"Die Herausforderung für die Mobilfunkanbieter besteht darin, diesen Prognosen entgegen zu wirken: Die Unternehmen müssen ihr Angebot integrierter und konvergenter Dienste möglichst schnell entwickeln, um einen möglichst hohen Anteil des Geschäfts für sich verbuchen zu können", so Dresselhaus.
Dies erfordert die Bereitschaft zu grundlegenden Veränderungen in der Mobilfunkbranche: Die hauptsächlich auf das Geschäftsmodell der Sprachdienste ausgerichteten Unternehmen müssen sich strategisch neu orientieren und sich technologisch, organisatorisch sowie marketing- und vertriebstechnisch auf das neue Modell umstellen. Die Fähigkeit eines Mobilfunkunternehmens, Allianzen mit erfolgs-kritischen Partnern zu schließen, wird zum bestimmenden Wettbewerbsfaktor.
Das bisherige, auf Sprachdienste ausgerichtete Geschäftsmodell, gekennzeichnet durch die Abrechnung nach Zeittakt und durch den direkten/indirekten Vertrieb eines Standardprodukts ohne Anpassung an die Kundenbedürfnisse, wird nach Meinung der BCS Berater nicht funktionieren. Erstens geht es hier zunächst nicht mehr um Standardprodukte, sondern um unternehmensspezifische Lösungen, die einen individuellen Vertrieb erfordern. Zweitens werden Inhalte an Bedeutung gewinnen und auch andere Spieler in diesem Markt, wie Hotelketten, Tankstellenketten oder Universitäten, die als Infrastrukturprovider (Zugang ins Netz) auftreten, wollen über unterschiedliche Modelle am Umsatz beteiligt werden. Auch hier ist man stärker auf Kooperationen angewiesen.
Quelle: IBM
Über die Studie:
Die Trend-Studie "Burning Up the Phone Wires - Our Industry Perspectives 2003-2006" aus dem Bereich Telekommunikation ist Teil der Zukunftsserie von IBM Business Consulting Services rund um fundierte und vorausschauende Ansichten zu Entwicklungen in verschiedenen Branchen. Untersucht werden die Bereiche Mobilfunk und Festnetz sowie Privat- und Geschäftskundenmarkt.
eingesandt von: Terhi Varkila am 09.01.2003 10:55 Uhr
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