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Mobilfunker fixieren sich zu stark auf Technik

Neugeschäfte und Innovationen kommen von Anderen

Mobilfunker fixieren sich zu stark auf Technik
Handy ist nicht nur zum
Telefonieren da.
Hamburg/Düsseldorf - Das Handy sollte nach den Plänen der Mobilfunkbetreiber mehr werden als ein Gerät zum Telefonieren. Man wollte es nach einem Bericht der Financial Times Deutschland zu einer Schaltzentrale unseres Lebens machen - mit Musik, Internet, E-Mail und Navigation. Und die Mobilfunkbetreiber würden im Kassenhäuschen sitzen. "Dafür gaben sie Hunderte Milliarden Euros aus. Heute ist klar: Es waren Illusionen. Die Netzbetreiber sitzen nicht mehr an den Schalthebeln der multimedialen Handywelt. Ihnen droht vielmehr der Abstieg zu bloßen Betreibern eines Datenkanals - ohne jedes Merkmal zur Differenzierung im Wettbewerb."

Dass die Mobilfunker zu bloßen Lieferanten von Bits verkommen, sei keine theoretische Gefahr mehr, glaubt Roman Friedrich, Telekom-Experte des Unternehmensberaters Booz Allen Hamilton. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt Omar Khorshed, Vorstandschef des Düsseldorfer Abrechnungsdienstleisters acoreus. "Die Annnahme der Mobilfunkbetreiber ist falsch, einschätzen zu können, welche neuen Geschäftsmodelle erfolgreich sein könnten und welche nicht. Das funktioniert nicht mehr. Die Vielfalt wird es machen, der Markt wird selbst selektieren, was erfolgreich ist und was nicht. Wichtig ist, diese Vielfalt möglich zu machen. Die Plattform dazu anzubieten. Der Verbraucher wird dann schon selektieren, was er gut findet und wofür er bereit ist, Geld zu zahlen und wofür nicht. Da müssen alle ein gutes Stück weit umdenken. Es muss ein Markt geöffnet werden für Mehrwertdienste", so Khorshed.

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Man sollte sich nicht zu sehr auf Technik fixieren. "Stundenlang können sich Mobilfunkmanager die Köpfe heiß reden über Signalstärken, Gebäudeinnenversorgung und Gesprächsabbruchquoten. Aber E-Mails mobil zu machen, die Navigation auf das Handy zu bringen und das Internet zugänglich zu machen, das ist anderen gelungen. Die Mobilfunker dagegen verzettelten sich beim SMS-Nachfolger MMS und beim Walkie-Talkie-Imitat Push-to-talk - beide Angebote sind kapitale Flops. Für Innovationen sind inzwischen andere zuständig. Nokia schafft mit Ovi mobile Internetangebote, Apple holt Musik und Videos aufs Handy und Google arbeitet gar an einem kompletten Betriebssystem für Mobiltelefone. Vom Wachstum dieser Datendienste profitieren die Netzbetreiber am wenigsten. Vielmehr wandert ein Teil des Umsatzes, etwa Werbeeinnahmen, zu Firmen wie Yahoo oder Google", schreibt die FTD.

Die Mobilfunkbetreiber sollten sich nicht als Medienunternehmer, als Entertainer oder als Logistiker verstehen, nur weil sie Kommunikationsnetze betreiben, warnt acoreus-Chef Khorshed. Aus Anbietern von Internetzugängen sei auch kein ernst zunehmendes Medienunternehmen hervor gegangen. Die Mobilfunkbetreiber sollten ihre Kreativität und Innovationskraft in die Entwicklung von technischen und kommerziellen Plattformen stecken."Eine Kannibalisierung halte ich für sehr unwahrscheinlich in solchen Fällen. Ganz im Gegenteil. Die Umsätze der Mobilfunkbetreiber werden bei einer Öffnung ihrer Netze deutlich steigen", ist sich Khorshed sicher.

mit Musik, Internet, E-Mail und Navigation..."Generell sollte mehr Kreativität ins Spiel kommen und mehr Offenheit für Trends, die sich im Internet abspielen. Docomo hat das in Japan mit dem Dienst Diamond erfolgreich umgesetzt. Die haben einen offenen Marktplatz geschaffen für Inhalteanbieter. Entweder kostenlos oder als Premium Content. Was sie allerdings gemacht haben – und da steckt der zusätzliche Aufwand drin – sie haben die Inhalte angepasst für mobile Endgeräte. Die Netzbetreiber haben in der jüngeren Vergangenheit viele Kunden abgeschreckt und verunsichert. So wird in Internetforen, wenn es um das mobile Internet geht, immer vom ’gefährlichen Knopf’ gesprochen. Gemeint ist der Zugangsknopf zu Vodafone Live oder zum WAP-Portal. Hier mussten Mobilfunkkunden sehr viel Lehrgeld zahlen und erlebten böse Überraschungen bei der Abrechnung. Von diesem schlechten Image ist man noch nicht weggekommen", so der Rat Edgar Schnorpfeil, Inhaber von Schnorpfeil Consulting.

Nach Marktanalysen von acoreus sind die technischen Voraussetzungen für neue Dienste vorhanden. Dennoch werden viele Angebote von der Mehrzahl der Mobilfunkkunden nicht genutzt wie Handy-TV und Videostreaming. Dies liegt zum einen daran, dass solche Anwendungen nicht attraktiv genug sind, zum anderen an den früheren Erfahrungen vieler Kunden, dass bestimmte Dienste nicht netzübergreifend genutzt werden konnten. "Der Ansatz der Mobilfunkbetreiber, alles zu kontrollieren, führt nicht zum Erfolg. Neue Akteure aus anderen Branchen könnten zu einer Belebung des Mobilfunkmarktes beitragen. Dazu zählen Nachrichtenagenturen oder große Medienunternehmen wie Times Warner, die sich als Content-Anbieter für den Mobilfunk profilieren können", erklärt Khorshed. Content-Enabler seien dabei unverzichtbar für die Verbesserung, Konvertierung, Aggregation und den Vertrieb von Inhalten an mobile Endnutzer – auch durch angepasste Billing-Services. Neue Diensteanbieter wie Banken oder Kreditkartenunternehmen bereicherten den Markt und schaffen neue mobile Zahlungsmöglichkeiten.

Quelle: Medienbüro Sohn   
Foto: Sony Ericsson

eingesandt von: Terhi Varkila am 28.11.2007 16:49 Uhr

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