Bonn/Lindau – Man kann Computer dort kaufen. Auch Kettensägen, Milch und frisches Gemüse. Auch Schuhe sind erhältlich, sowie Mikrowellen und Zahnpasta. Ab Februar kommt jetzt eine Handy-Karte ins Sortiment. Klingt nach dem bunt gemischten Krämerladen. Es geht aber um ALDI. Der Discounter steigt ins lukrative Mobilfunk-Geschäft ein und bietet in Zusammenarbeit mit dem Netzanbieter E-Plus eine Prepaid-Karte an. Das passende Telefon von Medion kann der Kunde dazu in seinen Einkaufswagen legen.
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| Dr. Michael Sander |
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So geht Analysys davon aus, dass in Deutschland die Mobilfunk-Tarife noch günstiger werden, nachdem die Entwicklung im Vergleich zu anderen europäischen Märkten verschlafen wurde. "Das ist für die großen Telefongesellschaften, die Festnetz anbieten, ein Problem. Nachdem die Telekom beispielsweise schon viele Kunden durch die Öffnung des Marktes für Call-by-Call-Angebote verloren hat, drohen jetzt auch noch schwindende Einnahmen. Denn bei jedem Kunden, der seinen Festnetzanschluss abmeldet, fallen die Grundgebühren als Einnahmequelle weg", so Sander weiter. Die Grundgebühren im Festnetz sind ein nicht unerheblicher Teil der gesamten Einnahmen. Mehr als 60 Prozent der etwa rund 28 Milliarden Euro Einnahmen der T-Com im Jahr 2004 erzielte der ehemalige Monopolist durch Grundgebühren.
Der ALDI-Tarif (Taktung 60/1) kann es mit denen der Billig-Konkurrenz aufnehmen. ALDI-TALK-Kunden telefonieren untereinander für 5 Cent die Minute. Gespräche in andere Mobilfunknetze kosten ebenso wie Gespräche ins deutsche Festnetz 15 Cent/Minute. Eine SMS von ALDI-TALK-Kunde zu ALDI-TALK-Kunden kostet 5 Cent, ins Festnetz und in andere Netze 11 Cent und in ausländische Netze 20 Cent. Bei dem Tarif handelt es sich um eine Prepaid-Karte, es gibt also keine Vertragsbindung und keine Grundgebühr. Die Karten zum Aufladen gibt es in allen deutschen Filialen zu 15 oder zu 30 Euro. Analysis ist davon überzeugt, dass in Zukunft weit mehr als bisher jeder fünfte Haushalt komplett seine Telefongespräche über das Handy abwickeln wird. "Solche Angebote zeigen, dass sich die Verbindungspreise vor allem ins Festnetz mehr und mehr angleichen", so Sander.
Weltweit wachsen die Kundenstämme der Mobilfunkanbieter immer mehr an. So haben sich im Jahr 2005 weltweit rund 423 Millionen Menschen für den Kauf eines Handys entschieden. Vor allem Boom-Märkte wie China und besonders Indien und Russland legten prozentual bis zu 50 Prozent zu. 19 Prozent der europäischen Haushalte haben nach Schätzungen derzeit keinen Festnetzanschluss mehr. In Deutschland ist diese Zahl mit fünf Prozent vergleichsweise verschwindend gering. "Das wird sich aber sicherlich ändern. Die Mobilfunkpreise werden weiter fallen. Die richtig harten Zeiten für das Festnetz stehen uns erst noch bevor", prognostiziert Sander. Der nächste Schritt, dass die Konkurrenz des Discounters ALDI ebenfalls ins Mobilfunk-Geschäft einsteigt, sei sicher nur eine Frage der Zeit.
Grundsätzlich traut Sander halbherzig wahrgenommen Ausprobier-Aktionen von Neueinsteigern ins Mobilfunkgeschäft keinen langen Atem zu. "Für die Unternehmen ist es wichtig, das Mobilfunkangebot in das bestehende Kerngeschäft so zu integrieren, dass es zu den strategischen Zielen des Unternehmens insgesamt beiträgt. Häufig reicht es auch, wenn die Kundenbeziehung gefestigt wird oder neue Services in das Bewusstsein der Kunden dringen." Es sei also wichtig, dass die Mobilfunkservices als wichtiger Bestandteil innerhalb des gesamten Produktangebots für Endkunden verstanden und die Aufgabe der Vermarktung und des Betriebs sehr ernst genommen würde. "In den nächsten Jahren müssen sich die Mobilfunknetzbetreiber auch um komplexere Angebote für die Datenwelt kümmern. Das ist für Geschäftskunden ganz entscheidend. Hier fehlt bislang die IT-Expertise", kritisiert Sander.
Quelle: Medienbüro Sohn
Foto: Terra Consulting Partners GmbH, Siemens
eingesandt von: Terhi Varkila am 02.02.2006 12:53 Uhr
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