London – Personalisierung und Interaktivität werden laut einer aktuellen, von Nokia in Auftrag gegebenen und von Dr. Shani Orgad an der London School of Economics durchgeführten Studie die Hauptfaktoren für die Nutzung mobiler TV-Angebote sein. Der aus der Studie hervorgegangene und unter dem Titel "This Box Was Made For Walking" veröffentlichte Bericht beschreibt die künftigen Auswirkungen des mobilen Fernsehens auf Rundfunk und Werbeindustrie.
Der Bericht prognostiziert, dass die Einführung und die Akzeptanz mobiler TV-Angebote letztlich Raum für individuellere und persönlichere TV-Erlebnisse bieten wird, als konventionelles Fernsehen. Dies wird umfassende Auswirkungen auf Nutzer, Inhalteanbieter und die Werbebranche haben. Nutzer werden jederzeit und überall Fernsehinhalte empfangen können. Dabei können sie frei wählen, was sie gerne sehen möchten, und darüber hinaus sogar eigene TV-Inhalte erstellen und zur Ausstrahlung hochladen. Inhalteanbieter und Werbetreibende werden ihre Angebote noch besser auf die Bedürfnisse einzelner Nutzer abstimmen können.
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"Um mehr zu bieten, als nur die Möglichkeit, unterwegs fernzusehen, muss das mobile Fernsehen auf vorhandenen Kanälen und Programmen aufsetzen und darüber hinaus die bestehenden Formen der TV- und Internetnutzung berücksichtigen", so Dr. Shani Orgad. "Mobiles Fernsehen wird zu einem Multimedia-Erlebnis mit besonderem Schwerpunkt auf Personalisierung, Interaktivität und von Nutzern selbst geschaffenen Inhalten."
"Wir erleben zurzeit den Aufbruch in ein neues Zeitalter des Fernsehens, das von individueller Nutzung von Fernseh- und Videoinhalten geprägt sein wird", erklärte Harri Männistö, Leiter des Nokia Unternehmensbereichs Multimedia. "Die aktuelle LSE Studie unterstreicht die Chancen, die sich in dieser neuen Ära des Fernsehens für Rundfunk und Werbeindustrie bieten."
Laut Studie wird der aktuelle Trend zu selbst geschaffenen Inhalten (User-Generated Content) – wie am phänomenalen Wachstum von YouTube zu sehen – eine der treibenden Kräfte für die mobile Nutzung von TV-Inhalten werden. Mit der zunehmenden Nutzung mobiler Geräte zur Erstellung von eigenen Video-Inhalten werden auch neue Rundfunk-Plattformen entstehen, um diese Inhalte an andere mobile Nutzer auszustrahlen. Der US-Fernsehsender Current TV ist ein guter Indikator dafür, was die Zukunft bringen wird: 30 Prozent seines Gesamtprogrammangebots bestehen aus Inhalten, die von den Nutzern selbst erstellt wurden.
Fünf-Sekunden-Werbespot
Dr. Orgad untersuchte im Verlauf der Studie auch die Auswirkungen des mobilen Fernsehens auf die Werbeindustrie und sagt neue Chancen für die Branche voraus, die in der direkten Ansprache und Interaktion mit den Zielgruppen liegen. Beim mobilen Fernsehen können Werbetreibende ihre Aussagen sehr viel präziser auf den Nutzer ausrichten, als dies im herkömmlichen Fernsehen möglich ist – mit Erfolgsraten, die denen der Internetwerbung noch überlegen sind.
Die Studie zeigte außerdem, dass Werbetreibende zurzeit mit Fünf- und Sieben-Sekunden-Werbespots experimentieren, die dem 'Snack'- oder 'Häppchen'-Charakter der mobilen Nutzung von TV-Inhalten eher entsprechen.
Was wollen die Nutzer sehen?
Der Bericht geht davon aus, dass es sich bei dem mobilen TV-Angebot um eine Kombination aus herkömmlichen Inhalten von Fernsehsendern und neuen Inhalten handeln wird, die speziell für mobile Geräte und mobile Nutzung entwickelt werden.
Es wird erwartet, dass aktuelle Nachrichten, Unterhaltungssendungen (wie Soaps, Reality Shows, Comedy und Zeichentrickfilme), Sport-, Musik- sowie Kinderprogramme zu den beliebtesten mobilen TV-Genres und -Programmen gehören werden. Zusätzlich wird es Inhalte geben, die speziell auf die Bedürfnisse des mobilen Nutzers zugeschnitten sind:
* Kürzere und kompaktere Nachrichtensendungen
* Möglichkeit der interaktiven Beteiligung des Nutzers an Reality-Shows
und Game-Shows
* Berücksichtigung der wachsenden Bedeutung selbst erstellter Inhalte
(User-Generated Content)
Ein Beispiel für neue Sendeformate: In China wurde der Film 'Kung Fu Hustle' für das mobile Fernsehen in zehn Episoden unterteilt.
Neue TV-Inhalte
Zum mobilen TV-Erlebnis werden aller Wahrscheinlichkeit nach auch neue und veränderte Programmformate gehören:
* Personen in Groß-/Nahaufnahme – Aufgrund der geringeren Bildschirm- bzw. Displaygröße werden
Anbieter sich auf Großaufnahmen von Sprechern ("Talking Heads") konzentrieren müssen, so dass dem
Betrachter eher Nahaufnahmen als Totalen präsentiert werden.
* Inhalte im 'Snack'-Format – Mobile TV-Inhalte werden so kompakt sein, dass sie sich als 'Häppchen' für
kurze Pausen zwischendurch eignen.
* Mobisodes – Sogenannte 'Mobisodes' sind fragmentierte, in kleinere Einheiten unterteilte Episoden
speziell für mobile Geräte, die sich in kleinen 'Portionen' unterwegs anschauen lassen.
* Visuelles 'Spektakel' – die Programme werden den visuellen Aspekt gegenüber herkömmlichen
erzählenden Aspekten betonen und bildorientiert sein müssen.
* Lokale Inhalte – die Inhalte sollten für den Nutzer eine zeitliche und ortsbezogene Relevanz haben.
Neue Haupteinschaltzeiten
Wie die Studie zeigt, gehen die Rundfunksender davon aus, dass es mit dem mobilen Fernsehen eine neue Haupteinschaltzeit um die Mittagszeit herum geben wird. Bestätigt werden diese Annahmen durch europäische Mobile-TV-Pilotprojekte, bei denen nicht nur während der klassischen Haupteinschaltzeiten am frühen Morgen und am späten Abend, sondern auch tagsüber eine starke Mobile-TV-Nutzung verzeichnet wurde.
Der Bericht "This Box Was Made For Walking" wurde von Dr. Shani Orgad aus dem Fachbereich Medien und Kommunikation (Department of Media and Communications) der London School of Economics verfasst. Der Bericht stützt sich auf die Analyse entsprechender Publikationen, Auswertungen von Pilotprojekten mit Mobile-TV-Nutzern, Interviews mit Experten in den Bereichen Fernsehen, mobile Medien, Werbung und anderen Medien, sowie der Teilnahme an Branchen-Veranstaltungen zum Thema.
Quelle: Nokia
Über Dr. Shani Orgad:
Frau Dr. Shani Orgad ist Dozentin im Fachbereich Medien und Kommunikation (Department of Media and Communications) der London School of Economics and Political Science in Großbritannien. Derzeit leitet Sie das Programm New Media, Information and Society (Neue Medien, Informationen und Gesellschaft) der Abteilung für Medien und Kommunikation. Dr. Shani Orgad besitzt einen BA (Bachelor of Arts) der Hebräischen Universität Jerusalem in 'Media and Communications, Sociology and Anthropology' (Medien und Kommunikation, Soziologie und Anthropolgie), einen MSc (Master of Science) in 'Media and Communications' und einen Ph. D. (Doktor der Philosophie) in 'Media and Communications' der London School of Economics.
eingesandt von: Terhi Varkila am 16.11.2006 11:26 Uhr
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