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Rückzug der France Télécom ab sofort

Die Vertreter von France Télécom im Aufsichtsrat der MobilCom AG Eric Bouvier und Brigitte Bourgoin sind mit sofortiger Wirkung aus dem Gremium ausgeschieden. France Télécom hatte heute ihren Rückzug aus der Partnerschaft mit der MobilCom AG bekannt gegeben.

13. September 2002

Für die Mobilcom ist es heute ein Freitag , der 13. im wahrsten Sinne. MobilCom-Chef Thorsten Grenz und der Wirtschaftsminister Bernd Rohwer sind heute in Büdelsdorf zusammengetroffen, um über die weitere Zukunft des Unternehmens zu beraten. "Alle Fakten sollten nun geprüft werden", sagte Rohwer. Finanzhilfen des Landes schließe er nicht aus. Aber hier gelten die Spielregeln, die auch für andere Unternehmen gelten, sagte Rohwer. Die Banken seien nun gefordert. Das Land habe die Pleite nicht verschuldet, von daher könne das Land nun auch nicht die Hauptlast tragen.

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"Wir haben gestern versucht, über alle Drähte Einfluss zu nehmen", sagte Rohwer. Damit hat er die Entscheidung in Paris gemeint. Nach Ansicht Rohwers hat die Entscheidung von France Telecom, MobilCom nicht weiter finanziell zu unterstützen, schon vorher festgestanden. Nun müsse ein "konstruktiver Fortsetzungsprozess" erarbeitet werden. Zum Thema UMTS sagte Rohwer: "Ich habe nach wie vor die Ansicht, dass die Preise damals zu hoch getrieben worden sind." Hinterher sei man aber immer schlauer.

Das äußerte zum Thema UTMS auch der französische Wirtschaftsminister Francis Mer. Er hat indirekt auch eine fehlende europäische Mobilfunk-Strategie für die Probleme von MobilCom mitverantwortlich gemacht. Es sei verpasst worden, „eine gewisse Industriepolitik auf dem Feld der neuen Technologien zu haben“, sagte der Minister dem Radiosender RTL. „Europa hat nicht den Mut gehabt, intelligente Lösungen vorzuschlagen, so dass jedes Land dann auf seine unabhängige Weise vorgegangen ist“, erklärte Mer unter Anspielung auf unterschiedliche und äußerst teure UMTS-Lizenzen.

Zusätzlich zu dem ganzen Dilemma überlegt Mobilcom nun rechtliche Schritte zu unternehmen. „Damit verstößt France Télécom eindeutig gegen die vertraglichen Bestimmungen des mit der Mobilcom vereinbarten Rahmenvertrags“, heißt es in der Mitteilung. Zur Wahrung der Unternehmensinteressen prüfe Mobilcom daher, Klage auf Schadenersatz einzureichen.

Der Betriebsrat von Mobilcom Thomas Schrader kritisierte die Entscheidung als "völlig irrational" und warf der mit 28,5 % beteiligten France Telecom vor, eine Milliardenpleite zu verursachen. Die IG Metall sprach von einer "von nationalen Interessen" in Frankreich geprägten Entscheidung. Im Verwaltungsrat von France Telecom hätten alle sieben Vertreter der Arbeitnehmerseite für eine Fortsetzung des Engagements bei MobilCom gestimmt. Die Kapitalseite in dem 21-köpfigen Gremium habe dagegen geschlossen für die Beendigung votiert, sagte ein Vertreter der regionalen IG Metall. Er berief sich dabei auf Informationen von Gewerkschaftsvertretern im Verwaltungsrat von France Telecom. Vor der Entscheidung in Paris hatten die Mitglieder des Verwaltungsrates mehr als vier Stunden über die Schulden des Konzerns und die Zukunft der Mobilcom-Beteiligung beraten.

Mobilcom-Betriebsrat Thomas Schrader warf France Telecom vor, das Unternehmen in die Pleite zu treiben. "Wir sind darüber erschrocken, dass selbst staatliche Unternehmen über 5 000 Beschäftigte hinwegsehen", sagte Schrader. Er kündigte an, die Belegschaftsvertreter wollten am Freitag mit der Geschäftsleitung von Mobilcom nach Wegen zum Erhalt von möglichst vielen Arbeitsplätzen suchen.

Mobilcom hatte vor zwei Jahren mit finanzieller Unterstützung von France Telecom für 8,4 Mrd. € eine der sechs deutschen UMTS-Lizenzen erworben. Über die Höhe der Investitionen für den Aufbau des UMTS-Mobilfunknetzes kam es zwischen den beiden Großaktionären France Telecom und Gerhard Schmid zum Streit. Der führte im Juni dazu, dass der französische Konzern Schmids Absetzung als Mobilcom-Chef im Aufsichtsrat durchsetzte. Daraufhin legte der der französischen Konzern die Investitionen für den UMTS-Aufbau auf Eis. Seitdem ist das mit sechs Mrd. € verschuldete Büdelsdorfer Unternehmen von Liquiditätszufuhr durch France Telecom abhängig.

Schmid, der zusammen mit seine Ehefrau knapp die Hälfte der Mobilcom-Anteile hält, versucht seit Monaten, von France Telecom eine Übernahme seiner Aktien zu erreichen.

Der Büdelsdorfer Bürgermeister Jürgen Hein äußerte: "Nun sind unsere schlimmsten Befürchtungen eingetreten. Für seine Stadt sei dies ein ein herber Schlag." Er setze auf eine Unterstützung der schleswig-holsteinischen Landesregierung. "Die jetzt drohende Insolvenz wird zeigen, ob es möglich ist, Teile des Unternehmens zu retten", erklärte der Bürgermeister: "Ein bisschen Hoffnung schwingt immer noch mit. " Eine Bürgschaft der Stadt werde es für MobilCom aber nicht geben. "Das ist leider eine Dimension, die wir nicht händeln können", erklärte Hein. "Die Leute sind geschockt", sagte der Bürgermeister zur Stimmung im Ort und in der Belegschaft.

Das Bundeskanzleramt ist nach den Worten der schleswig-holsteinischen Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) wegen der drohenden MobilCom-Pleite in Kontakt mit dem französischen Präsidialamt. Sie wisse aber nicht, ob Bundeskanzler Gerhard Schröder persönlich involviert sei, sagte Simonis am Freitagmorgen im Deutschlandfunk.Sie machte aber keine Zusagen.

eingesandt von: Sylvia Truppner am 13.09.2002 16:49 Uhr

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