UMTS - Top oder Flop?
Stuttgart / Ludwigsburg - Nach der euphorischen
Versteigerung der deutschen UMTS-Lizenzen, die im vergangenen Jahr
knapp 100 Milliarden Mark erbrachte, ist bei den Meinungsführern der
wichtigsten Mobilfunk-Unternehmen Ernüchterung eingetreten. Das ergab
am Dienstag in Ludwigsburg bei Stuttgart ein ganztägiger
UMTS-Kongress von Europas größtem Telekommunikationsmagazin
"connect".
Dabei waren sich die Experten wie der Vice President 3G
von Nokia, Kalevi Kaartinen, einig: "Wir stehen mit UMTS vor einer
langfristigen Evolution und nicht vor einer schlagartigen
Revolution." UMTS-Zielgruppe seien zunächst "Leute, die Geld und
wenig Zeit haben". Die ersten UMTS-Handys sollen zur CeBIT im März
2002 gezeigt werden und laut Kaartinen ohne Vertragsbindung unter
1.000 Mark kosten. Die sukzessive Einführung im Massenmarkt erfolge
ab etwa 2003.
Diese Einschätzung teilt Kaartinen mit Lothar Pauly,
Bereichsvorstand von Siemens Mobile. Doch Pauly relativiert den
Mehrwert von künftigen UMTS-Anwendungen deutlich: "Sie können heute
mit GPRS bis auf Video-Applikationen genauso viel machen wie künftig
mit UMTS, nur ist UMTS bei der Umsetzung und Schnelligkeit
komfortabler." Auch Mobilcom-Vorstandsvorsitzender Gerhard Schmid
sieht UMTS zunächst nicht als großes Zugpferd für die Branche: "Für
den Verbraucher ist es völlig uninteressant, mit welcher
Übertragungstechnik er die unterschiedlichen Applikationen empfängt".
Der Übergang von GSM auf GPRS und auf UMTS werde für den Handy-Kunden
lediglich in einer schrittweisen Verbesserung der Übertragungs- und
Darstellungsleistung erfolgen.
Siemens-Mobile-Vorstand Pauly sagte auf dem "connect"-Kongress,
dass es für den neuen Mobilfunk-Standard keine bahnbrechenden
"Killer-Applikationen" geben werde. Der Vorteil von Diensten über die
neue Technik liege darin, dass ihr Einsatz "lokal, zeitnah und
persönlich" sein könne. Pauly: "Es geht um individuelle Ansprache und
Zeitmanagement." Nokia-Manager Kaartinen rechnet damit, dass der
Werbemarkt durch gezielte Ansprache von Mobilfunk-Kunden über UMTS
langfristig "um 50 Prozent zusätzlich und nicht zu Lasten anderer
Medien wachsen wird."
Zuversichtlich sind die Experten, was die Entwicklung neuer
Mobilfunk-Dienste über UMTS angeht. Man wisse von Tausenden Tüftlern,
die in "Garagen-Firmen" an neuen Ideen arbeiten, so Kaartinen und
Pauly. Jochen Hansen, Projektleiter am Institut für Demoskopie
Allensbach, warnte dabei "vor unausgereiften Lösungen". WAP habe
gezeigt, dass ein Angebot zum Scheitern verurteilt sei, wenn es zu
teuer und zu kompliziert ist. Und, so Hansen: "Nach UMTS besteht
momentan kein dringendes Bedürfnis." Nach den Ergebnissen einer
aktuellen repräsentativen "connect"-Untersuchung rate er bei UMTS,
"die Sicherheit vermittelnden Dienste wie Standortanzeige und
Hilfeanforderung in Notsituationen in den Vordergrund zu stellen und
darüber das breite Angebot reizvoll zu vermitteln."
Gewinner und Verlierer bei den teuren UMTS-Investitionen sieht
Frank Wellendorf, Telekommunikations-Analyst und Direktor von West LB
Panmure. "UMTS wird ein Erfolg," so der Finanzspezialist, der in
absehbarer Zeit mit Übernahmen finanzschwächerer Telekom-Unternehmen
wie beispielsweise Sonera rechnet. Am UMTS-Erfolg hat auch
Mobilcom-Chef Schmid in weiterer Zukunft keinen Zweifel: "GPRS wird
durch UMTS abgelöst - oder würden Sie heute noch
schwarz-weiß-fernsehen und am PC mit MS DOS arbeiten?"
Quelle: connect Telekomm.magazin
eingesandt von: Sascha Dowidat am 19.09.2001 11:16 Uhr
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